|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |


 |
 |
 |
 |
 |
 |
Ausgabe 2/2002 Im Wettlauf mit der Zeit |
 |
 |
 |
In den Archiven von Schweizer Fernsehen DRS schlummern wichtige historische Zeitzeugnisse. Doch der Zahn der Zeit nagt unerbittlich und bedroht kostbares audivisuelles Kulturgut. Als der Dokumentarfilmer Alexander J. Seiler 1994 für seine Werke über Roman Brodmann zahlreiche Beiträge des «Freitagsmagazins» aus den Jahren 1960 bis 1963 umkopieren liess, geschah dies ohne grössere Probleme. Das gleiche Filmmaterial war anfangs 2001 aber mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr abspielbar. Das Phänomen wird Essigsyndrom genannt. In den frühen 60-er Jahren wurden für die Tonaufzeichnungen Azetatbänder verwendet, welche besonders anfällig für eine chemisch-physikalische Zersetzung sind. So kommt es, dass die Tonträger praktisch des gesamten Sendevolumens des Schweizer Fernsehens aus dieser Zeit unschwer durch einen intensiven Essiggeruch erkennbar sind. Eine eigentliche Schrumpfung der Bänder hat dazu geführt, dass nur noch 5 – 10 Prozent der Informationen abgetastet werden und der Ton praktisch nicht mehr hörbar ist. Ungefähr 8,2 Millionen Meter Film, von den Anfängen des Fernsehens bis hin in die 90-er Jahre, lagern in den Kellern des Fernsehstudios Leutschenbach. Der überwiegende Teil dieses Bestandes befindet sich in einem guten Zustand und ist auch jederzeit auffindbar. Dennoch drohen die Archivbestände – u.a. aufgrund des erwähnten Essigsyndroms – für immer verloren zu gehen.Auch besser zugänglich Grund genug also für den Verein Memoriav, der sich der Bewahrung und Vermittlung von audiovisuellem Kulturgut verschrieben hat, auch mit dem Schweizer Fernsehen DRS eine intensive und fruchtbare Zusammenarbeit zu pflegen. Primär geht es darum, wichtige vom Zerfall bedrohte Dokumente zu retten. Als erstes wurden innert dreier Jahre sämtliche «Tagesschau»-Ausgaben der Jahre 1953 bis 1990 (rund 80’000 Beiträge) nicht nur auf heute zeitgemässe digitale Bildträgermedien überspielt, sondern auch dokumentarisch neu- bzw. nacherfasst und somit besser zugänglich gemacht. Davon profitieren auch die verschiedenen Redaktionen von SF DRS, indem alte Fernsehdokumente rasch recherchiert und in aktuelle Produktionen eingebaut werden können. Das Öffnen bestimmter Archivbestände über das elektronische Memoriav-Netzwerk (Memobase-Datenbank) liefert schliesslich der Wissenschaft und Forschung Referenzdaten für zusätzliches wichtiges historisches Quellenmaterial.Auch Radiodokumente bedroht Alles in allem hat Memoriav seit seiner Gründung 1995 mit rund drei Dutzend Projekten die Bewahrung und Zugänglichkeit audiovisueller Dokumente wesentlich verbessert, wobei sich die Aktivitäten nicht nur aufs Fernsehen beschränkten. Auch in den Archiven der SRG SSR-Radios konnten bis heute rund ein Viertel der dort lagernden rund 100’000 Direktschnittplatten aus den Jahren 1932 bis 1957 überspielt werden. Die Lackschicht solcher Direktschnittplatten bröckelt ab, womit wichtige Zeugnisse verloren zu gehen drohen, aus einer Zeit, in der ohnehin vieles als Radio-Direktsendungen spurlos im Äther verklang. Dennoch ist das Unterfangen ein Tropfen auf den heissen Stein, denn der Zahn der Zeit nagt unerbittlich und ohne Unterlass an unzähligen Bild- und Tonträgern. Die akute Gefährdung historischer Archivbestände ist aber auch technischer Natur. Eine Mehrzahl der Aufnahmen auf veralteten Magnetband-Formaten in den Archiven der SRG SSR-Studios lässt sich mittelfristig nicht mehr wiedergeben, weil es wahrscheinlich kaum mehr entsprechende Abspielgeräte geben wird und zudem das technische Know-how mit der Zeit verloren geht. Somit ist das Umkopieren auf moderne Formate die einzige Rettung. Dieser Aspekt bleibt jedoch akut, denn die Halbwertszeiten der digitalen Datenträger werden immer kürzer. So lässt sich fragen, wie dereinst audiovisuelle Dokumente archiviert bzw. angesehen oder abgehört werden. Christoph Vogel (Nachdruck aus LINK, Monatsmagazin des Publikumrates und der Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse Deutschschweiz)Sonderangebot für STV-Mitglieder Im Rahmen des Memoriav-Projektes «Politische Information» werden nach der «Tagesschau» nun auch die Regionalmagazine «Freitagsmagazin» (1960 – 1963) und «Zytglogge» (1961 – 1962) überspielt sowie dokumentarisch erschlossen. Jürg Hut, Leiter der Archivüberspielungen im Fernsehstudio Leutschenbach hat schon manch «trockenen» Vortrag gehalten über die faszinierende Arbeit von Memoriav. Deshalb hat er sich kurzerhand entschlossen, selbst einen Film zu Memoriav zu drehen. Mitglieder des STV können diesen Film (20 Min.) als VHS oder DV-Video zur Ansicht beim Zentralpräsidenten bestellen (Mail oder Telephon genügt bis 30.10.02 – wir stellen dann einen Umlauf zusammen). |
 |
 |
 |
Zurück zum Inhalt - Weiter
|
 |
|
|
 |
|
 |
|